31. März 2007
Trauermarsch und Gedenkkundgebung
in Lübeck
Heute fand in Lübeck der Trauermarsch
und die Gedenkkundgebung aus Anlaß
des 65. Jahrestages der Bombardierung statt.
Es begann zu spätabendlicher oder nächtlicher Stunde mit einem Ausfall. Die Frau des Kameraden Jörn Lemke, der Anmelder und vorgesehener Leiter war, mußte mit einer Gallenkolik als Notfallpatientin ins Krankenhaus. Damit hatte Jörn Lemke unerwarteterweise für die Kinder zu sorgen; das jüngste ein drei Wochen alter Säugling. Die Schattenseiten der Vaterfreuden... Aber so etwas läßt sich leichter tragen, wenn man gute Kameraden hat. In kürzester Zeit war Roland Fischer (NPD Kiel) bestimmt, als Vertreter einzuspringen.
Für Roland Fischer war es die Premiere als Versammlungsleiter. Aber er erledigte die Aufgabe so routiniert, als hätte er es schon immer gemacht.
Bei strahlend schönem Frühlingswetter trafen sich am Bahnhof nach meiner Zählung 340 Demonstranten. (Polizei gab 350 an.) Der Abmarsch wurde ein wenig verzögert, weil die Polizei zwei "Skelette" festnehmen beziehungsweise ihre Personalien überprüfen wollte. Ob nun deren Totenkopf-Masken gegen Auflagen verstoßen haben sollen oder als "Vermummung" angesehen wurden, weiß ich nicht. Jedenfalls eine recht billige polizeiliche Schikane.
Kurz vor 13.oo Uhr ging es dann los. Unter klassischer Musik
setzte sich der Trauerzug in Bewegung. Vom linken Widerstand war nicht viel
zu sehen oder zu hören. Hinter dem Holstentor fiel eine Leuchtkugel (bengalisch-rot)
vor uns auf den Weg; das war alles an wahrnehmbaren Zwischenfällen. An
der Untertrave soll es ein paar Steinwürfe gegeben
haben, die drei Polizisten leicht verletzten. Außerdem wurde eine linke
Demonstrantin durch Steinwurf ihrer eigenen Genossen verletzt. Darüber
nicht schadenfroh zu sein, wäre eindeutig gelogen. - Außerdem wurden
vereinzelt linke Gegendemonstranten festgenommen.
Der Kohlmarkt, eigentlich vorgesehener Ort unserer Zwischenkundgebung, war von angeblich zweitausend Gegendemonstranten besetzt. Die Polizei war - wie beinahe schon zu erwarten war... - nicht willens oder nicht fähig, ihn zu räumen. Die Zwischenkundgebung fand also ein Stück vor dem Kohlmarkt statt, was allerdings eine eher geringfügige Verkürzung unserer Route war.
Auf der Zwischenkundgebung hatten wir es dann mit einem weiteren
Ausfall zu tun, diesmal nicht personeller, sondern technischer Natur. Die
Sicherung des Verstärkers der Lautsprecheranlage brannte durch. Das Problem
ließ sich in kurzer Zeit beheben, indem ein Reserveverstärker angeschlossen
wurde. Dann konnten die Reden gehalten werden, in
chronologischer Reihenfolge von meiner Wenigkeit, Thorsten de Vries und Alexander
Hohensee.
Der Rückweg verlief gleichfalls ohne äußere Zwischenfälle. Nur gab auch der Reserveverstärker seinen Geist auf. Auch dieses Problem ließ sich in kurzer Zeit beheben, weil ein zweiter Reserveverstärker vorhanden war. Mit dessen Hilfe hielt dann Jens Lüdtke vor dem Bahnhof die Abschlußkundgebung, und Versammlungsleiter Roland Fischer löste gegen 15.oo Uhr die Veranstaltung auf.
Vor allem die gegenüber dem letzten Jahr deutlich gestiegene Teilnehmerzahl war sehr erfreulich. Auch haben die Linken nebst ihren gutmenschlich-bürgerlichen Unterstützern es anders als im Vorjahr nicht geschafft, den Trauerzug vor dem Holstentor zu blockieren, sondern erst weit im Innenstadtbereich.

Hamburg, den 31. März 2007
Christian Worch