24.03.2011
Gegenbündnis bröckelt!

Linke und bürgerliche Antifaschisten diskutieren öffentlich über die Zweckmäßigkeit von Blockaden

Nur noch wenige Tage, dann findet bei uns in Lübeck zum sechsten Mal in Folge ein Trauermarsch zum Gedenken an den alliierten Bombenterror statt. In den vergangenen Jahren formierte sich dagegen ein breites Bündnis unter dem Motto "Wir können sie stoppen", an dem sich vom Kirchenvertreter über den Gewerkschaftsfunktionär bis hin zum linksautonomen Gewalttäter alles sammeln konnte, was ich gegen den Trauermarsch aussprach.

Nun scheint dieses Bündnis von innen zu bröckeln. Ein mögliches Indiz hierfür könnte auch die lächerliche "Anti-Rechts-Demo" vom vergangenen Wochenende sein. Haben sich einige linke Gruppen ganz bewußt nicht daran beteiligt oder ist die Motivation in den vergangenen Jahren auf der Strecke geblieben? Auf solche Indizien brauch man sich nicht zu stützen, wenn man die Uneinigkeit der bürgerlichen Antifaschisten betrachtet. Öffentlich hacken sie sich gegenseitig die Augen aus und diskutieren über die Zweckmäßigkeit von rechtswidrigen Blockaden. Selbst der DGB ist in dieser Sache gespalten. Während sich Ver.di für Blockaden ausspricht, sind die IG Metall und GdP gegen diese fragwürdige Aktionsform. Auch die Lübecker Kirchenvertreter sind sich, trotz Gottes Hilfe, uneins über das Vorgehen am kommenden Sonnabend. Während Bischhof Gerhard Ulrich Blockaden befürwortet, vertritt der Kirchenkreisvorstand eine andere Haltung. "Wir rufen nicht zum Rechtsbruch auf", so Pröpstin Petra Kallies. Eine Versammlung vor der Bodelschwingh-Kirche wurde sogar von der Kirchengemeinde wieder abgemeldet. Dadurch dürfte auch ein Blockadepunkt der Linksextremisten wegfallen.

Zu den Unterzeichnern einer Lübecker Erklärung gehören jedoch nicht nur Geistliche und Gewerkschaftsfunktionäre, sondern auch mehrere Bundestagsabgeordnete und 17 Landtagsabgeordnete. Da darf natürlich auch die Stadtführung nicht fehlen! Neben Bürgermeister Bernd Saxe unterstützen auch mehrere Senatoren den Aufruf zum Rechtsbruch, während andere Senatoren ganz bewußt nicht unterzeichnen.

Doch nicht nur im sogenannten bürgerlichen Lager bröckelt es. Vielen gewaltbereiten Autotonomen gehen die Blockaden nicht weit genug, sie möchten lieber gewalttätige Straßenschlachten mit der Polizei und bleiben daher zu Hause oder lassen ihre blinde Zerstörungswut, wie im vergangenen Jahr, in der Altstadt freien Lauf, wo Müllcontainer brannten und Schaufensterscheiben zerbrachen.

Egal ob bürgerliche "Sitzenbleiber" oder gewalttätige Steineschmeißer ihr asoziales Unwesen treiben, wir lassen uns das Recht auf einen friedlichen Trauermarsch nicht nehmen und werden daher am kommenden Sonnabend entschlossen gegen den alliierten Bombenholocaust demonstrieren!

 




 

 

 


 

zurück zur Startseite